KI & Robotik – Jetzt wird Zukunft konkret
KI in der Eingliederungshilfe: Jetzt gemeinsam gestalten
Zum Auftakt des LAG-Fachtages in Hanau stand die Künstliche Intelligenz als zentrales Zukunftsthema im Fokus. Prof. Dr. Michael Macsenaere vom Zentrum für gemeinwohlorientierte KI (GKI) warb dabei für ein bundesweites Projekt, das eine große Chance eröffnet: KI nicht nur zu nutzen, sondern aktiv für die Eingliederungshilfe mitzugestalten.
Dabei wurde deutlich: KI ist kein kurzfristiger Trend, sondern wird die Arbeit in den kommenden Jahren grundlegend verändern. „Wir werden in fünf Jahren in einer völlig anderen Welt leben“, so die Einschätzung aus dem Vortrag. Der Ansatz knüpft dabei an bestehende Erfahrungen an: Vergleichbare Lösungen werden im Bereich der Jugendhilfe bereits erfolgreich bundesweit entwickelt und eingesetzt.
Umso wichtiger ist es, bereits heute eigene Lösungen zu entwickeln und die Möglichkeiten aktiv zu nutzen.
Im Mittelpunkt steht die Entwicklung einer fachlichen KI, die als „kognitiver Booster“ wirken kann – also Mitarbeitende entlastet, Wissen schneller verfügbar macht und Entscheidungsprozesse unterstützt. Perspektivisch sollen die Anwendungen nicht nur für Fachkräfte, sondern auch für Menschen mit Unterstützungsbedarf nutzbar werden.
Der Projektansatz setzt auf ein iteratives und praxisnahes Vorgehen: Die beteiligten Einrichtungen entwickeln die Lösungen gemeinsam von Anfang an mit. Dabei gilt das Prinzip „human in the loop“ – der Mensch bleibt jederzeit eingebunden, steuert und überprüft die KI. Erste Schwerpunkte liegen auf der Unterstützung bei Dokumentation, Protokollen und Berichten. Ziel ist es, schnell erste praxiserprobte Lösungen zu entwickeln und diese schrittweise auszubauen.
Das Projekt bietet damit die Chance, KI „von innen heraus“ kennenzulernen und gezielt für die eigenen Anforderungen zu formen. Gleichzeitig ist klar: Dieses Vorhaben kann nur gelingen, wenn möglichst viele Einrichtungen mitwirken.
Georg Forchmann, stellvertretender Vorsitzender der LAG, machte deutlich: „Lassen Sie uns gemeinsam starten mit dem Ziel, künftig vorne dabei zu sein und Lösungen aktiv mitzugestalten, anstatt sie lediglich zu übernehmen.“
Jetzt mitmachen:
Einrichtungen sind eingeladen, sich aktiv an der Entwicklung zu beteiligen.
Anmeldung bis 31. Juli 2026 unter: info@gemeinwohl.ai
Für weitere Informationen wenden Sie sich gern an Johannes Knöfel, Geschäftsstellenleiter der LAG, unter: j.knoefel@lag-wohnen.de
Hier geht es zur Projektbeschreibung
Robotik in der Eingliederungshilfe: Zwischen Vision und Realität
Im zweiten Themenschwerpunkt des LAG-Fachtages gaben Claudia Schmitt und Kay Bärmann von der Symbiosika GmbH
spannende Einblicke in die rasante Entwicklung der Robotik – und zeigten eindrücklich, welches Veränderungspotenzial hier auf die Eingliederungshilfe zukommt.
Ein zentraler Paradigmenwechsel: Roboter werden nicht mehr klassisch programmiert, sondern lernen kognitiv. Künstliche Intelligenz beschleunigt diese Entwicklung erheblich – statt aufwendig programmiert zu werden, können Systeme schneller angelernt und kontinuierlich weiterentwickelt werden. Dadurch werden sie nicht nur flexibler, sondern auch deutlich einfacher in der Anwendung und alltagstauglicher.
Die Perspektive, die dabei aufgezeigt wurde, ist ebenso faszinierend wie herausfordernd: Voll funktionsfähige, autonome Roboter könnten in absehbarer Zeit selbstverständlich Teil unseres Alltags sein – morgens einkaufen, mittags Kinder von der Schule abholen, nachmittags den Rasen mähen. Was heute noch wie Zukunftsmusik klingt, könnte in spätestens 20 Jahren Realität sein – vermutlich aber deutlich früher.
Für die Eingliederungshilfe liegt darin ein enormes Potenzial: Robotik kann Menschen mit Unterstützungsbedarf mehr Selbstständigkeit, Sicherheit und Teilhabe ermöglichen. Gleichzeitig unterstützt sie Fachkräfte – etwa bei strukturellen Aufgaben, Orientierung oder Alltagsbegleitung. Entscheidend für den erfolgreichen Einsatz ist dabei die Akzeptanz: sowohl funktional (bringt der Roboter tatsächlich einen Nutzen?) als auch sozial (wird er als unterstützend und vertrauenswürdig wahrgenommen?).
Klar benannt wurden aber auch die Herausforderungen: Robotik wird in vielen Bereichen menschliche Arbeit verändern und teilweise auch ersetzen. Gleichzeitig ist die Entwicklung weltweit in vollem Gange. Länder wie China und die USA investieren massiv und sind mehrere Schritte voraus – bis hin zu vollständig automatisierten Einkaufsumgebungen ohne menschliches Personal.
Der Appell von Kay Bärmann war entsprechend eindeutig: „Wir müssen ins Machen kommen.“ Für die Eingliederungshilfe bedeutet das: nicht abwarten, sondern aktiv gestalten, ausprobieren und eigene Erfahrungen sammeln. Denn nur so können Lösungen entstehen, die wirklich zu den eigenen fachlichen Anforderungen passen.
Prof. Dr. Michael Macsenaere vom Zentrum für gemeinwohlorientierte KI (GKI) warb dabei für ein bundesweites Projekt: KI in der Eingliederungshilfe. Fotos: Winter
Claudia Schmitt und Kay Bärmann von der Symbiosika GmbH gaben spannende Einblicke in die rasante Entwicklung der Robotik.
Gestalteten einen zukunftsweisenden Fachtag: (v.li.) Kay Bärmann, Claudia Schmitt (beide Symbiosika GmbH), Hausherrin Mareike Meister, Antje Zeiger (LAG), Prof. Dr. Michael Macsenaere, Georg Forchmann und Hartmut Kleiber (beide LAG).